Die Legende von Krampus

Überlieferungen zufolge ist diese Geschichte ca. 500 Jahre alt*:

Krampus Eltern Osmo und Aamu waren tiefreligiöse Menschen, die redlichen Dienst in ihrem Heimatdorf betrieben: Osmo war Holzfäller und Aamu Wäscherin.
 Aufgrund eines Unfalls beim Holzfällen hatte Osmo nur noch eine Hand. Doch Osmo ließ sich dadurch nicht behindern. Er schnitzte sich, so wird gesagt, eine Hand und ging in einer Neumondnacht an einen Baum, der angeblich geweiht war. Dort entzündete er eine Kerze und bat Gott, seine hölzerne Hand zum Leben zu erwecken, damit er wieder rechtschaffen arbeiten könne. Tatsächlich erschien eine Gestalt, die Osmo in seiner Verzweiflung wie Gott erschien¹. Bis zum nächsten Vollmond war seine Hand tatsächlich zu Fleisch geworden, und Osmo konnte wieder Holz fällen. Doch die Bewohner des Dorfes, in dem Osmo und Aamu heimisch waren, sahen dies nicht als ein Geschenk Gottes, sondern als Bund mit dem Teufel, und jagten die Eheleute aus dem Ort.

Sie flohen in ein weit entferntes Tal, das sich im Alpenvorland befand. Hier lebten sie viele Jahre zurückgezogen und abgeschieden. Es mangelte ihnen an nichts; das einzige, das Aamu sich ersehnte, war ein Kind. Da sie wusste, wo sich der geweihte Baum befand, nahm sie einen tagelangen Marsch auf sich, um an dieser Stelle eine Kerze zu entzünden. Sie bat die Gestalt, die ihr erschien, um ein Kind.²
Sie wurde daraufhin an Neumond schwanger, und es dauerte nur drei Mondperioden, bis sie das Kind gebar. Sie tauften den Jungen 'Krampen', da er schon bei der Geburt sehr lange Fingernägel, fast schon Krallen, hatte. Dies war vor ca. 500 Jahren³

Entgegengesetzt zu seiner sehr raschen Geburt wuchs Krampen heran wie ein normal geborenes Kind. Doch er unterschied sich von anderen Kindern: Sein Tatendrang war schon in den ersten Monaten nach der Geburt stark ausgeprägt, er krabbelte viel und konnte bereits mit einem halben Jahr stehen, laufen und einige wenige Worte äußern. Auch hatte er schon im Babyalter einen ausgeprägten Sinn für Humor. Er lachte viel und das erfreute seine Mutter Aamu, wohingegen sein Vater von dem ständigen Gekicher und Lachen des Kindes weniger angetan war.

Krampen begann sich schnell zu verändern: mit drei Jahren beging er seinen ersten Schabernack. Doch seine Streiche steigerten sich rasch: sie wurden fieser und bösartiger.

Krampen wächst heran, und im Laufe der Zeit werden die Streiche oftmals schockierend und bösartig. Krampen wird immer öfter immer härter von seinem Vater bestraft: zu Beginn mit einem Gürtel geprügelt, wird er nach einiger Zeit in einen Sack gesteckt, aus dem der Vater ihn erst wieder herausholt, wenn Krampen beteuert, das er seinen Schabernack bereut. Schließlich und mit steigender Trunksucht des Vaters, wird Krampen auch im Sack verprügelt. 
Währenddessen versucht Aamu, ihren Sohn vor den Repressalien zu schützen, und versteckt Krampen in einem geheimen Versteck unter den Bodendielen.

Im Laufe der Zeit, bis Krampen 13 Jahre alt ist, werden die Streiche immer derber, und zuweilen auch wirklich gefährlich. Jetzt ist Krampus es endgültig leid, das der Vater ihn verprügelt und die Mutter ihn ständig versteckt. Er will frei sein und machen können, was er will. Er rennt in den Wald und entdeckt einen Baum, der ganz anders ist als andere Bäume. Dieser Baum scheint etwas Magisches zu besitzen. Verbittert lässt er sich unter diesem Baum nieder, seine Laterne neben ihm. 
Eine Gestalt erscheint und sagt ihm, das er sich etwas wünsche könne - wie sein Vater und seine Mutter bereits vor ihm. So wünscht er sich, das "seine ganze Familie so oft bestraft wird, wie er einen Streich spielt". Die einzige Bedingung, die die Gestalt an ihn stellt ist, das er seine Seele dem Teufel schenken soll. Die Gestalt hält ihm einen Vertrag hin, den Krampus allerdings nicht liest. Krampen willigt ein. Um den Wunsch erfüllen zu können - so die Gestalt - muss Krampen lediglich ein Tier seiner Wahl schlachten und das Fell an genau dieser Stelle, an der er sitzt, unter den besonderen Baum legen.

Und so macht es Krampus: er schleicht sich des Nachts auf einen Hof und stiehlt mit List eine Ziege, der er den Kopf abschlägt. Er häutet sie, wirft das Fleisch in den Wald, legt das Fell und den Kopf unter besagten Baum und kehrt nach Hause zurück.

🡆 Weiteres siehe: Krampus Familie






*oder länger; Genaueres ist weder bekannt noch belegt

¹ Was Osmo natürlich nicht wusste: die neue Hand kam nicht von Gott, sondern von einem Dämon, der in seinem zukünftigen Sprössling (von dem Osmo natürlich auch noch nichts wusste) großes Potential sah.
siehe Bildgalerie: Osmo bitte um eine Hand

² Aamu wünschte sich sehnlichst ein Kind. Dieser Wunsch wurde ihr erfüllt - eben von jenem Dämon, der Osmo bereits seine neue Hand schenkte.

³ es könnte länger als 500 Jahre herliegen, das genaue Datum ist nicht erfasst

 Der erste bekannte Streich, auf den hin Osmo Krampen in einen Sack steckte beläuft sich auf dieses Hörensagen: der Vater schläft betrunken auf der Pritsche im unteren Teil des Hauses. Krampen hatte mit seiner Mutter Aamu das Ritual, ihr alle vier Wochen die Haare zu schneiden, das war für sie eine Geselligkeit und Nutzen zugleich; ebenso wie für Krampen, der ihre Haare sammelte. Er fertigte einen Strohkopf an, an dem er die Haare anbrachte. Den Kopf verschmierte er mit etwas Klebrigem.·¹· Ebenso überzog er die Axt des Vaters mit der klebrigen Masse. Den Puppenkopf legte er neben den Kopf seines Vaters auf die Pritsche. Als Osmo am Morgen erwachte, erschrak er zutiefst, und entzündete eine Lampe, um sich besehen zu können, was geschehen war. Rasch erkannte er den Streich seines Sohnes, und noch benommen und vom Alkohol betäubt brüllte er durch das Haus. Er schliff Krampen an den Haaren in die Stube und steckte ihn in einen Sack, den er zuband. In Rage zertrümmerte er seine Axt und prügelte mit dem Stiel auf Krampus im Sack ein.

·¹· Überlieferung 1: zertretene Beeren; Überlieferung 2: Tierblut

 von diesen Wünschen wusste Krampus nichts; auch kannte er nicht den geweihten Baum, unter dem seine Eltern um ihre Wünsche baten.
siehe Bildgalerie: Krampen bringt Gaben zum Baum

 Überlieferungen zufolge ist dies eben jener Dämon, der bereits Osmo seine Hand zurückgab und Aamu mit Krampen schwanger gehen ließ.